Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Buchanfang«
Charlus schrieb am 27.3. 2004 um 08:48:15 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Der Sohn wohlhabender Eltern, der, gleichgültig ob aus Talent oder Schwäche, einen sogenannten intellektuellen Beruf, als Künstler oder Gelehrter, ergreift, hat es unter denen, die den degoutanten Namen des Kollegen tragen, besonders schwer. Nicht bloß, daß ihm die Unabhängigkeit geneidet wird, daß man dem Ernst seiner Absicht mißtraut und in ihm einen heimlichen Abgesandten der etablierten Mächte vermutet. Solches Mißtrauen zeugt zwar von Ressentiment, würde aber meist seine Bestätigung finden. Jedoch die eigentlichen Widerstände liegen anderswo. Die Beschäftigung mit geistigen Dingen ist mittlerweile selber »praktisch«, zu einem Geschäft mit strenger Arbeitsteilung, mit Branchen und numerus clausus geworden. Der materiell Unabhängige, der sie aus Widerwillen gegen die Schmach des Geldverdienens wählt, wird nicht geneigt sein, das anzuerkennen. Dafür wird er bestraft. Er ist kein »professional«, rangiert in der Hierarchie der Konkurrenten als Dilettant, gleichgültig wieviel er sachlich versteht, und muß, wenn er Karriere machen will, den stursten Fachmann an entschlossener Borniertheit womöglich noch übertrumpfen.
Adorno, Minima Moralia
Liamara schrieb am 22.3. 2000 um 22:17:40 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Der Nachthimmel. Drei Kamele, Silhouetten vor den hellen Sternen am mondlosen Firmament, ziehen langsam über den Horizont. Ein Stern führt sie gen Betlehem. Die drei Weisen reiten durch das Tor der schlafenden Stadt und weiter durch die menschenleeren Straßen. Ein Hund knurrt sie an. Sie nähern sich einem erleuchteten Stall; Licht strömt ihnen entgegen. Sie sitzen ab, treten ein und finden die typische Szene vor, mit einem Kindlein, in einer roh gezimmerten Krippe auf Stroh gebettet, und geduldig herumstehenden Tieren. Die Mutter döst neben dem Kind. Plötzlich schreckt sie auf aus ihrem Nickerchen, sieht die Weisen, kreischt auf und fällt rücklings von ihrem Strohhaufen herunter. Blitzschnell hat sie sich wieder aufgerappelt und blickt die drei argwöhnisch an. Sie ist eine Schreckschraube.
MANDY Wer seid Ihr?
ERSTER WEISER Wir sind Astrologen. Wir kommen aus dem Osten.
MANDY Soll das so ne Art Witz sein?
ERSTER WEISER Wir möchten das Kindlein preisen.
ZWEITER WEISER Wir müssen ihm huldigen.
MANDY Huldigen!! Ihr seid total besoffen, das ist es. Einfach widerlich. Raus, raus.
Monty Python, Das Leben Brians, Drehbuch
Frühstücksbrettchen schrieb am 18.5. 2000 um 23:04:18 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Ich bin niemand ab dem Karren gefallen, ich habe meine Mutter gekannt, ich weiß, woher ich komme: Vater, Großvater, Ur, Urur und so weiter und einer wie der andere alles andere als ein verknorzter Schleicher, sondern jeder sein langes Leben lang ein immergrüner Knüppelausdemsack.
Ich kann das in aller Ruhe sagen, viele können das nicht.
Wahrscheinlich stammen wir einerseits von Riesen und andererseits von den Zwergen ab, und das bringt´s mit sich, daß man es früher oder später mit allerlei Durchschnitt zu tun bekommt. Ich kenne hier in nächster Nähe ein paar Ganzschlaue, die sich seit der Mutterbrust genauso vorkommen. Wenn Sie bei denen am Stammbäumchen rütteln, kann allerhand Unerwartetes aus der Krone plumpsen und Ihnen direkt aufs Haupt donnern. Drum läßt man bei uns das Schütteln und Rütteln im allgemeinen bleiben.
Zur Zeit bin ich Städtischer Bademeister. Ich habe schon immer geahnt, daß ich es weit bringen werde. Die Badeanstalt steht auf Steinpfählen im Wasser, ein langer flacher graugestrichener Holzbau mit Ziegeldach, und da drauf regnet´s und regnet´s, auch das gehört scheint´s dazu. Es regnet in unaufhörlichen Strömen, seit Wochen. Alles trieft. Alles tropfnaß. Kein Schwanz will baden. Sogar die Kapuziner marschieren nicht mehr am Morgen in aller Frühe ein Stück weiter vorn in der Allee als geschlossene Gemeinschaft durchs Klostergartentörchen und an mir vorbei über die Wassertreppe direkt in den See; sie huschen jetzt nur noch sozusagen im Einzelsprung schnell herüber, machen einen kurzen Taucher und schlottern wieder ab. Man friert schon, wenn man sie nur sieht. Eine Saukälte, daß man die Badeanstalt anzünden möchte, um sich aufzuwärmen. So einen Sommer haben wir wieder einmal. Der Wein wird so sauer werden, daß einem die Säure die Zähne zieht.
Gerold Späth: Balzapf oder Als ich auftauchte. Roman. Frankfurt am Main: Fischer, 1977.
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