Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Bibliothek«
Nico schrieb am 29.1. 2001 um 12:49:21 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
In der Bibliothek von Babel stehen alle möglichen Bücher (bis zu 500 Seiten). Es ist eine riesige Anzahl, eine schon nicht mehr astronomische, sondern vielmehr hyperastronomische Anzahl. In der Bibliothek von Babel steht ein Buch, welches Deine Lebensgeschichte erzählt. In der Bibliothek von Babel steht ein Buch, welches Deine Lebensgeschichte bis auf ein kleines Detail erzählt. In der Bibliothek von Babel steht natürlich auch eine Menge Mist rum.
Die Bücher sind geordnet (die Bibliothekare machen jährlich Revision). In der Bibliothek von Babel gibt es die sogenannte Moby-Dick-Galaxie. Dort stehen alle Moby-Dick-artigen Bücher rum, Bücher, die sich von Moby Dick nur um ein paar Buchstaben, einen Satz, ein paar Satzzeichen oder so unterscheiden. (Das Original steht natürlich auch dort.) Es ist eine ganze Galaxie von Moby-Dick-Büchern, wohin das Auge reicht, Lichtjahre weit.
Peter K. schrieb am 11.4. 2004 um 23:49:21 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Meine Bibliothek wurde in mir gezeugt, als ich noch ein Kind war. Geplagt von Pollenallergie, waren die Sommer für mich Hausarrest. Das war in den siebzigern des letzten Jahrhunderts. Internet gab es nicht, Computer auch nicht. Einzig der Taschenrechner zog Ende der siebziger Jahre in die Klassenzimmer. Also las ich in der Bibliothek meines Vaters. Der war ein klassischer Sozialdemokrat gewesen: Wissen ist Macht - Bildung macht frei. Ich las mich durch Kulturgeschichte und Philosophie - Naturwissenschaften interessierten mich weniger.
Viele Jahre später, in den neunzigern, war ich drei Jahre lang Hilfsbibliothekar in einem soziologischen Institut, später wurde ich Assistent in der juristischen Fakultät bei einem hochgebildeten Juraprofessor - eine Seltenheit heutezutage. Ich begann, Bücher zu kaufen.
Dann wurde ich Rechtsanwalt, in einer Kleinstadt, die aber immerhin ein Landgericht hat. Ich gehöre dort inzwischen zu den bedeutenderen Anwälten - früher hätte man gesagt: zu den Honoratioren.
Vor etwa vier Jahren fing ich an. Ich gebe den Jahresetat eines durchschnittlichen geisteswissenschaftlichen Lehrstuhls für Bücher aus. In meiner Buchhandlung begrüsst man mich, wie in meiner Stammkneipe, und ich kann dort anschreiben lassen. Ich durchstreife Antiquariate, und das Internet. Ich kann lesen und kaufen, was ich will. Kein Forschungsprojekt, kein Mittelverwendungsnachweis und ähnlicher pseudorationaler Quatsch hindert mich.
Ich baue eine Bibliothek auf - meine Bibliothek. Sie wächst langsam, weil ich sehr auf Qualität achte. Der Bau dieser Bibliothek ist wie der Bau eines Schlosses. Er dauert Jahrzehnte. Und diese Bibliothek ist für mich ein Palast, wie dem Fürsten von Salina (Thomasi di Lampedusa: Der Leopard) ein Palast ist: »Mein Onkel sagt, ein Palast, in dem man weiß, wieviele Räume er hat, lohnt sich nicht, zu bewohnen«.
So kaufe ich auch Bücher, von denen ich weiß, daß ich sie derzeit nicht lesen kann, z.b. weil mir die Muße fehlt - wie Zettel's Traum von Arno Schmidt. Irgendwann werde ich die Muße haben dazu. Ich glaube fast, das ist ein aristokratischer Zug an meinem Sammeln.
Fortsetzung folgt.
Umberto Eco schrieb am 19.4. 2001 um 14:44:44 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Das Universum, das andere die Bibliothek nennen ... (Borges)
'Das Universum (das andere die Bibliothek nennen) setzt sich aus einer unbegrenzten und vielleicht unendlichen Zahl sechseckiger Galerien zusammen, mit weiten Entlüftungsschächten in der Mitte, die mit sehr niedrigen Geländern eingefaßt sind. Von jedem Sechseck aus kann man die unteren und oberen Stockwerke sehen: ohne ein Ende. Die Anordnung der Galerien ist unwandelbar dieselbe. Zwanzig Bücherregale, fünf breite Regale auf jeder Seite, verdecken alle Seiten außer zweien: ihre Höhe, die sich mit der Höhe des Stockwerks deckt, übertrifft nur wenig die Größe eines normalen Bibliothekars. Eine der freien Wände öffnet sich auf einen schmalen Gang, der in eine andere Galerie, genau wie die erste, genau wie alle, einmündet. Links und rechts vom Gang befinden sich zwei winzigkleine Kabinette. In dem einen kann man im Stehen schlafen, in dem anderen seine Notdurft verrichten. Hier führt eine Wendeltreppe vorbei, die sich abgrundtief senkt und sich weit empor erhebt. In dem Gang ist ein Spiegel, der den Schein getreulich verdoppelt.' "
(Umberto Eco: Die Bibliothek, München 1978. Festvortrag zum 25jährigen Jubiläum der Mailänder Stadtbibliothek am 10. März 1981)
Lumbago schrieb am 23.8. 2001 um 14:41:15 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Die imaginäre Bibliothek
Am Anfang war das Wort.
... es wurde gesprochen, getanzt, gesungen, geliebt, verdoppelt, erzählt, geknotet, gebetet,
wiederholt, rezitiert, vergessen, eingeritzt, eingebrannt, gemalt, gemeißelt, geschrieben, in
Tabellen gelistet, in magischen Formeln versteckt, gedruckt, gebunden, verlegt, als
Fußnote an den Rand gedrängt, indiziert, gereimt, gezählt, formalisiert, codiert, compiliert,
gespeichert, gescannt, als Muster wiedererkannt, übertragen, gefaxt, verschlüsselt,
komprimiert, optimiert, transformiert, konvertiert, genormt, gelöscht, gelinkt,
überschrieben, als Absprungsort markiert, zum Objekt erklärt, als Programm aktiviert, das
Worte schafft...
Das Universum, das andere die Bibliothek nennen, setzt sich aus einer undefinierten,
womöglich unendlichen Zahl ineinander verschachtelter Bildschirme zusammen ...
error schrieb am 16.4. 2001 um 16:02:10 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
...Laßwitz vor ungefähr hundert jahren über die universalbibliothek und deren anzahl an büchern: zehn hoch zwei millionen !
>> »ihr wißt, dass das licht in einer sekunde 300.000 km durchläuft, also in einem jahr ungefähr zehn billionen kilometer, was gleich einer trillion zentimeter ist. wenn also ein biblithekar mit der geschwindigkeit des lichtes an unserer bänderreiche entlang saust, so würde er doch zwei jahre brauchen, um an einer einzigen trillion bänder vorüber zu kommen. um an der ganzen bibiolthek entlang zu fahren, wären demnach dopplet so viele jahre nötig, als ein trillion in der bänderzahl enthalten ist, das gibt eine eins mit 1.999,982 nullen. was ich damit nur verdeutlichen wollte: man kann sich die zahl der jahre, die das licht braucht, an der bibliothek entlang zu laufen, ebensowenig vorstellen, wie die zahl der bände selbst. und das zeigt wohl am klarsten, dass es vergebliche mühe ist, sich von der zahl eine anschauung zu bilden, obwohl sie endlich ist.« (Fazit:) » der verstand ist unendlich viel größer als das verständnis. ich meine nur, wir können unendlich mehr richtig denken, als wir in der erfahrung wirklich zu erkennen vermögen. das logsiche ist unendlich mächtiger als das sinnliche.«<<...
hei+co schrieb am 18.4. 2001 um 15:54:14 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
»MP3 is free - why not txt?«
In dieser Hinsicht kann etwa auch die Kultur der
Newsgroups und Mailnglisten wichtige Impulse für
die Entwicklung innovativer digitaler
Bibliothekskonzepte geben, z.b. wenn es um
gemeinschaftlich angereicherter und kollaborativ zu
pflegende Wissensbestände geht. Neben festen
Referenzierungen, Verschlagwortungen digitaler
Dokumente durch fachfremde Informationsbroker
oder Bibliotheks-Angestellte nach festen
Verschlagwortungs und Auszeichnungsregeln,
sollten sich nach meinen Erfahrungen mit digitalen
Textbeständen in kulturwissenschaftlichen
Forschungsprojekten Digitale Bibliotheken
durchaus öffnen für Computer Supported
Cooperative Work.
Gerade das aktive Wissen, die spannenden
Wissensbereiche an den entscheidenden
Schnittstellen von Forschung, Gesellschaft erforden
hybride Wissensformen, mit offenen Schnittstellen
zu Anwendern, Betroffenen und Kritikern.
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