Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Bibliothek«
Nico schrieb am 29.1. 2001 um 12:49:21 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
In der Bibliothek von Babel stehen alle möglichen Bücher (bis zu 500 Seiten). Es ist eine riesige Anzahl, eine schon nicht mehr astronomische, sondern vielmehr hyperastronomische Anzahl. In der Bibliothek von Babel steht ein Buch, welches Deine Lebensgeschichte erzählt. In der Bibliothek von Babel steht ein Buch, welches Deine Lebensgeschichte bis auf ein kleines Detail erzählt. In der Bibliothek von Babel steht natürlich auch eine Menge Mist rum.
Die Bücher sind geordnet (die Bibliothekare machen jährlich Revision). In der Bibliothek von Babel gibt es die sogenannte Moby-Dick-Galaxie. Dort stehen alle Moby-Dick-artigen Bücher rum, Bücher, die sich von Moby Dick nur um ein paar Buchstaben, einen Satz, ein paar Satzzeichen oder so unterscheiden. (Das Original steht natürlich auch dort.) Es ist eine ganze Galaxie von Moby-Dick-Büchern, wohin das Auge reicht, Lichtjahre weit.
Rafael Capurro schrieb am 19.4. 2001 um 14:46:10 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Erschrocken halte ich inne und starre auf den Bildschirm. Hat sich die neue Seite nicht aufgebaut, stimmt etwas nicht mit dem CACHE? Oder handelt es sich einfach um eine 3 Jahre später vorgenommene Transskription von Ecos Vortrag? Schnell überfliege ich den Text:
»Ihnen ist sicherlich die schöne Erzählung von Jorge Luis Borges «Die Bibliothek von Babel" bekannt. (Jorge Luis Borges:Die Bibliothek von Babel, Stuttgart 1981, S. 47-57)
Dort beschreibt Borges einen unendlichen, aus sechseckigen Galerien bestehenden Bibliotheksaufbau. Durch Zufall stößt der Chef eines höheren Sechsecks auf ein Buch, das fast zwei Seiten gleichartiger Zeilen aufweist. Bald kommt er zu dem Schluß, daß sämtliche Bücher aus den gleichen fünfundzwanzig Elementen (nämlich dem Raum, dem Punkt, dem Komma und den zweiundzwanzig Lettern des Alphabets) bestehen, und daß es in der Bibliothek keine zwei identischen Bücher gibt. Die Bibliothek ist total, d.h. alles, was sich ausdrücken läßt, ist verzeichnet. Als diese Erkenntnis verkündet wird, herrscht große Hoffnung unter den Menschen, bald aber tritt Ernüchterung ein, als die amtlichen Suchen, die »Inquisitoren«, immer mehr einen strapazierten Eindruck machen und zu der fast unerträglichen Gewißheit gelangen, daß es kostbare Bücher geben könnte, die unzugänglich seien. Eine Sekte versucht, diese Bücher durch Würfeln von Buchstaben und Zeichen hervorzubringen, andere sind der Meinung, man sollte zunächst alle überflüssigen Bücher ausmerzen, während andere schließlich an ein Buch glauben, das Inbegriff und Auszug aller Bücher sein sollte. Diese ungeheure Bibliothek ist aber letztlich, so Borges, überflüssig bzw. sie kann durch einen einzigen Band mit unendlich dünnen Blättern ersetzt werden, allerdings mit jenem unbegreiflichen Blatt in der Mitte, das keine Rückseite hätte."
(Rafael Capurro, Buchkultur im Informationszeitalter: Überlegungen zum Bezug zwischen Bibliotheken, Datenbanken u. Nutzern: Vortrag am 7.5. 1984 in d. Bad. Landesbibliothek Karlsruhe, S.3)
Lumbago schrieb am 23.8. 2001 um 14:41:15 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Die imaginäre Bibliothek
Am Anfang war das Wort.
... es wurde gesprochen, getanzt, gesungen, geliebt, verdoppelt, erzählt, geknotet, gebetet,
wiederholt, rezitiert, vergessen, eingeritzt, eingebrannt, gemalt, gemeißelt, geschrieben, in
Tabellen gelistet, in magischen Formeln versteckt, gedruckt, gebunden, verlegt, als
Fußnote an den Rand gedrängt, indiziert, gereimt, gezählt, formalisiert, codiert, compiliert,
gespeichert, gescannt, als Muster wiedererkannt, übertragen, gefaxt, verschlüsselt,
komprimiert, optimiert, transformiert, konvertiert, genormt, gelöscht, gelinkt,
überschrieben, als Absprungsort markiert, zum Objekt erklärt, als Programm aktiviert, das
Worte schafft...
Das Universum, das andere die Bibliothek nennen, setzt sich aus einer undefinierten,
womöglich unendlichen Zahl ineinander verschachtelter Bildschirme zusammen ...
hei+co schrieb am 18.4. 2001 um 16:04:33 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Topographie der Bibliothek: Standort - Buchgedächtnis
Der Adressenkatalog entstand aus der Praxis heraus, aus dem tagtäglichen Kontakt mit den Beständen und braucht daher weder eine spezielle, gar wissenschaftliche
Vermittlung noch eigene Aufschreibe- und Nachschlaghilfen wie Bestandsverzeichnisse und Standortlisten. Irgendwann, nach langen Jahren an einem und demselben
Ort, stellt sich als Resultat unzählig vieler Gänge und Zugriffe eine auf den Punkt genaue Topographie der Bibliothek ein - so wie bei jenem berühmten Vorbild,
dessen Leistung als unerreichbar, ja als erfunden gilt, aber dennoch als legendär anerkannt worden ist. Im Kern der Legende steht der historisch verbürgte
Florentiner Bibliothekar Antonio Magliabechi. Von ihm wird 'behauptet [...], er habe nie ein Buch zu Ende gelesen und doch gäbe es keinen anderen , der so gut wie
er die Bücher und deren Inhalte kenne.' (Willms: Bücherfreunde. Büchernarren. S. 132f.) Sein Geheimnis ist ein phänomenales Buchgedächtnis:
'Eines Tages soll Cosimo III., in desen Diensten als Bibliothekar er seit 1673 stand, nach ihm geschickt haben mit der Bitte, ob es ihm möglich sei, ein ganz
bestimmtes, äußerst seltenes Buch herbeizuschaffen. Magliabechi soll darauf geantwortet haben: 'Nein, das ist unmöglich. Denn von diesem Buch existiert lediglich
ein Exemplar, und dieses befindet sich in der Palastbibliothek in Konstantinopel. Es ist, wenn man die Bibliothek betritt, das siebte Buch im zweiten Regal auf der
rechten Seite." (ebenda)
(Nikolaus Wegmann: Bücherlabyrinthe. Suchen und Finden im alexandrinischen Zeitalter, Köln 2000, S. 131)
hei+co schrieb am 18.4. 2001 um 15:53:03 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Liebe zu den Büchern, zu den
Dokumenten (oder: ist der
Kunde König?)
In manchen Darstellungen wird beklagt, daß sich
Biblkiothekare mehr für ihre Bücher als für ihre
»Kunden« interessieren:
"Der Bibliothekar von einst war eine
Spitzweg-Figur, den Kopf voller preußischer
Instruktionen und kleinformatiger Karteikästchen.
Sein einziger natürlicher Feind war der Benutzer."
(so der Vorsitzende des Wissenschaftsrats
Hoffmann, der das Magazin Focus zitiert, nach
Digitale Bibliotheken, S. 140)
hei+co schrieb am 18.4. 2001 um 15:51:17 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Seit der Aufklärung gilt Wissens als Basis der
Wissenschaften und als entscheidender Schlüssel
zur utopischen Wissensgesellschaft, in der jeder
Zugang zum Wissen hat, und zur Dynamik
gesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher
Innovationsprozesse.
Projekte wie die Enzyklopädie Diderots und
d'Alemberts, die noch das gesamte
Produktionswissen ihrer Zeit sammeln wollten,
zeigen aber auch schon die Sackgasse eines rein
kumulativen Wissensbegriffes auf. Welche Grenzen
rein quantitavive Konzepte der Archivierung nach
sich ziehen können, deren einziger
Erfolgs-Parameter in der Anzahl verfügbarer
Bänden oder gespeicherter Terrabyte von
Informationen liegt, macht schon eine Untersuchung
zu Einflußfaktoren in wissenschaftlichen
Publikatinsweisen deutlich.
hei+co schrieb am 18.4. 2001 um 15:54:14 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
»MP3 is free - why not txt?«
In dieser Hinsicht kann etwa auch die Kultur der
Newsgroups und Mailnglisten wichtige Impulse für
die Entwicklung innovativer digitaler
Bibliothekskonzepte geben, z.b. wenn es um
gemeinschaftlich angereicherter und kollaborativ zu
pflegende Wissensbestände geht. Neben festen
Referenzierungen, Verschlagwortungen digitaler
Dokumente durch fachfremde Informationsbroker
oder Bibliotheks-Angestellte nach festen
Verschlagwortungs und Auszeichnungsregeln,
sollten sich nach meinen Erfahrungen mit digitalen
Textbeständen in kulturwissenschaftlichen
Forschungsprojekten Digitale Bibliotheken
durchaus öffnen für Computer Supported
Cooperative Work.
Gerade das aktive Wissen, die spannenden
Wissensbereiche an den entscheidenden
Schnittstellen von Forschung, Gesellschaft erforden
hybride Wissensformen, mit offenen Schnittstellen
zu Anwendern, Betroffenen und Kritikern.
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