Ein ostzonaler Ausdruck, der vom Aussterben bedroht ist: »komplex« als Adjektiv für zusammen, zusammenhängend, einheitlich, umfassend. Ursprünglich entstammt er wohl dem »komplexen Wohnungsbau«, also den Plattenbauten, und ist von dort auch in andere Sprachbereiche eingeschlichen. So kann man in der Ostzone Bierflaschen beispielsweise einzeln kaufen, aber auch komplex in Sixpacks oder Kästen. Auch in der Küche kann man Spiegeleier beispielsweise nacheinander braten, was meistens weniger sinnvoll ist, als sie komplex in die Pfanne zu tun. Auch sonst ist es im Haushalt sehr sinnvoll, komplex vorzugehen, beim Wäschewaschen, Rasenmähen und Geschirrspülen beispielsweise. Gerade um letzteres kann man sich oft drücken, indem man sagt: »Stell's einfach dazu, ich mach das dann nachher komplex!« Beim Essen zeigt sich übrigens eine sehr typische ostdeutsche Kulturlosigkeit. Der Ostdeutsche kann es nicht begreifen, warum Franzosen oder Italiener ihr Essen in drei, vier oder noch mehr kleinen Portionen hintereinander essen. Das ist doch viel zu umständlich - der Ostdeutsch ißt nämlich lieber komplex !
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