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mcnep, am 14.8. 2004 um 23:06:04 Uhr
Geophagie

In Tanger fangen die Kinder schon im zartesten Alter an, Erde zu essen. Die Kinder essen Schmutz, Sand, Holzkohle, Mörtel, Topfscherben und Stücke von sonnengetrockneten Ziegeln, und das täglich in immer größeren Mengen.

In Dares–Salam ißt fast die Hälfte der Bevölkerung Erde. Eine graue, lehmige, feste Erde wird von den Indern verkauft, eine rote, krümelige, eßbare Erde wird von den Eingeborenen auch beim Hausbau verwendet. Sie brechen lose Stücke von den Wänden ab und essen sie. Die Erde wird immer trocken gegessen; manchmal erhitzt man sie und läßt sie vor Gebrauch abkühlen.

In Bennane aß eine Frau von etwas mehr als dreißig Jahren täglich ein halbes Pfund Erde.

Die Dualla essen eine rote Erdart (ekoki), die hauptsächlich in der unmittelbaren Nachbarschaft des Dorfes Deido gefunden wird; wie in Victoria und Babani wird die Erde vor Gebrauch erhitzt. In Klein Batanga und bei den Fia gilt es als Regel, daß Kinder und schwangere Frauen Erdesser sind. Die Männer gehen der Gewohnheit nur in Ausnahmefällen nach.

Pilger bringen auf der Heimfahrt von Mekka unter anderem harte Kuchen aus Staub vom Grab des Propheten mit. Die Kuchen sind klein, länglich und flach, aus grauem Staub und mit arabischen Schriftzeichen bedruckt: »Staub unserer Erde und mit dem Speichel von einigen von uns



aus: Peter Michael Ladiges, Über das Erdeessen (1973)


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