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Wenkmann schrieb am 20.4. 2005 um 23:35:35 Uhr über

illuminaten

Werte Halberleuchtete, Luciferaner und
Verschwörungstheoretiker!

Hier ein celebraler Leckerbissen
für jene, die politische Schriften voller
Überheblichkeit und Verachtung gegenüber
der allgemeinen Bevölkerung gern
ein wenig kritisch lesen möchten.

Zählen Sie doch einmal zur persönlichen
Erleuchtung alle Begriffe,
die im Zusammenhang mit »Licht«,
»Erleuchtung« oder einer gewissen
Zahl stehen.
Viel Spaß!

(Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die
Hamburger Großloge, oder rufen Sie
mich doch einfach einmal privat an)

"ZEIT.DE » POLITIK » kolumne

Nach einer Woche der echten Trauer

wieder die alten Klagen: Die römischen Exequien sind vorüberder Alltag hat uns wieder. Interessiert uns das alles wirklich?

Von Robert Leicht für ZEIT.de

Nun hat uns die Wirklichkeit wieder! Oder soll man besser sagen: eine andere, die alltägliche Wirklichkeit? Nach eine Woche der weltweiten Trauer um Papst Johannes Paul II. – eine Trauer, die um die ganze Welt ging, auch wenn sie gewiss nicht alle Menschen gleichermaßen erfasste – und nach der wiederum weltweit ausgestrahlten Totenmessen auf dem Petersplatz zu Rom, zählen jetzt erst einmal wieder die gewöhnlichen Gegenstände der Aufregung: Wer erntet unseren guten deutschen Spargel, wenn es die guten Deutschen (beziehungsweise die Arbeitslosen unter ihnen) nicht tun oder nicht pünktlich und nachhaltig genug tun wollen/können.

Also doch Saisonarbeiter aus Polen (nicht, dass die Polen nur saisonal arbeiten würdenallein der Spargel wächst nur in seiner Saison) – und dies etwa unter den deutschen Mindestlöhnen? Was hatte Otto Graf Lambsdorff im Sinn, als er Guido Westerwelle im Spiegel-Interview die Kopf-Note bzw. Kopf-Nuss verpasste: „Der Schüler muss sich bessern, kann dies aber kaum“? Nein, nicht einmal die Alp-Traum-Hochzeit von Charles und Camilla (Ende gut, alles gut!) kann uns noch von den Trivialitäten des Alltags ablenken. Übrigens, was hatte der derzeitige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück wirklich gemeint, als er andeutete, er könne sich in Düsseldorf auch eine Mehrheit für sich ohne die Grünen vorstellen? Ich kann es nämlich nicht: Reicht es für rot-grün, dann kommt es soreicht es nicht, dann ist die SPD aus dem Spiel; etwas Drittes vermag ich nicht zu prophezeien.

Die Wirklichkeit hat uns also wieder. Aber hat nicht die vorige Woche gezeigt, dass es ein ungeheures Bedürfnis gibt, diese Wirklichkeit hinter sich zu lassen? Die Frage ist nur: Auf dem Wege der Weltfluchtoder in der Weise einer kritischen Welt-Anschauung, also ihrer Durchleuchtung aus anderem als dem gewöhnlichen Krämer- und selbstbezogenen Sorgengeist? Man darf vermuten, dass hinter der Papstverehrung, die in der Trauerwoche so fulminant aufblühte, da und dort auch reiner Eskapismus sich Bahn brach, Weltflucht pur. (Ganz abgesehen von jenen taktischen Erwägungen unserer Weltpolitiker, die weniger aus Überzeugung nach Rom pilgerten als vielmehr aus dem Motiv, sich sehen zu lassen, jedenfalls nicht auffällig zu fehlen bei einem öffentlichen Akt, der die Herzen ihrer Wähler mehr bewegt als alle Wahlkampfreden – auch an die Papstreden muss man sich ja nicht halten, als wahrer Machtpolitiker.) Andererseits: Gerade die Tatsache, dass Johannes Paul II. die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachtete, sie zeitlebens kritisch durchleuchtet hatdas hat manchen vielleicht nicht im Ergebnis eingeleuchtet, ihnen aber als Haltung imponiert.

Was bleibt nach dieser Wocheaußer der Erinnerung? Vielleicht ein Stück Weisheit, also eine Entschlossenheit, die Aufregungen des Alltags, die wir sonst und zuweilen mit einer ideologischen Inbrunst anfachen, nicht mehr ganz so ernst zu nehmen: Westerwelle eben Westerwelle sein zu lassen, rot-grün halt rot-grünund am Abend mit Matthias Claudius zu denken, wenn schon nicht zu singen: „es sind so manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen sie nicht sehn.“












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