Die Rate spontaner Aborte ist erhöht, wenn Väter schon alt sind Eine Indikation für eine intensivierte Pränataldiagnostik besteht allerdings derzeit nicht BERLIN (wma). Daß Männer bis ins hohe Alter Kinder zeugen können, ist durch viele Beispiele belegt. Allerdings ist aufgrund eines erhöhten Risikos für spontane Gendefekte eine Vaterschaft jenseits des 50. Lebensjahres nicht unbedingt empfehlenswert. Darauf hat der Androloge Professor Dr. Wolf-Bernhard Schill aus Gießen auf einer Pressekonferenz aus Anlaß der 13. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie in Berlin hingewiesen. Die Zeugungsfähigkeit von Männern bleibe zwar grundsätzlich bis ins hohe Alter bestehen, Spermatozoenproduktion und -qualität nehmen jedoch mit höherem Lebensalter ab. Am häufigsten wird bei Männern im vorgerückten Alter eine Abnahme der Spermatozoenmobilität und eine Zunahme fehlgeformter Samenzellen beobachtet. Aufgrund einer erhöhten Lebenserwartung und veränderter Lebensumstände kommen - im Vergleich zu früheren Jahren - immer mehr Paare in die Kinderwunsch-Sprechstunde, bei denen der Mann älter als 50 Jahre ist, berichtete Schill. In dieser Situation sollte mit dem Paar auch über das erhöhte genetische Risiko diskutiert werden. Heute sei allgemein anerkannt, daß bei Kindern von Vätern über 45 Jahre für bestimmte genetisch ausgelöste Krankheitsbilder das Risiko erhöht ist. Dazu gehören: Achondroplasie, Polyposis coli, Basalzell-Nävus-Syndrom, Hämophilie A, Aniridie, Marfan-Syndrom, Neurofibromatose, polyzystische Nierenerkrankungen oder Progerie. Das genetische Risiko bei Kindern von Vätern über 40 liege dabei in der gleichen Größenordnung wie das Trisomie-21-Risiko von Müttern, die älter sind als 35 Jahre. Auch die Zahl spontaner Aborte nimmt mit dem Alter des Vaters zu - unabhängig vom Alter der Mutter. Das erhöhte Risiko war für die "American Association of Tissue Banks" Anlaß, das Alter von Samenspendern auf 40 Jahre zu begrenzen, berichtete der Androloge. Die »American Fertility Association« zieht die Grenze für künstliche Befruchtung bei Vätern, die älter sind als 50. Eine Indikation für intensivierte pränatale Diagnostik besteht gemäß Richtlinien der Bundesärztekammer bei höherem Alter des Vaters allerdings nicht.