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Flipper, Flipper schrieb am 13.1. 2007 um 17:57:42 Uhr über

Zukunftsforschung

Gelasius, der polnische Gewaltherrscher, der Reichseiniger des polnisch-litauisch-preußischen Großreiches unter dem grauenerregenden achtfaltigen Adler, der blasse Tyrann auf dem steinernen Throne zu Berlin-Warschau, marschierte zu Zeiten, die weit in der Zukunft liegen, in Burgund ein und verheerte es, zog so auf diese Art und Weise eine Blutspur durch dies wieder auferstandene Königreich, welches sich zu jenem Zeitpunkte von Paris an seiner Westmark bis nach Fulda erstreckte, wo es, im Schatten des aus Obsidian wieder errichteten dortigen Domes, lange Zeit dem Ansturm der wilden Pruzzen mit ihren Lichtkanonen und Sphärenerschütterern widerstanden hatte. Saarbrücken, nach dem Wiederauftsieg des Burgundischen Reiches zur Milliardenstadt angewachsen, zum neuen Babel und Jerusalem in einem, wurde zu einer Bauernstadt hinabgedrückt, einer Ackerbürgergemeinde von nicht einmal hunderttausend Einwohnern. Auf Befehl des Gelasius nach dessen endgültigem Siege niedergebrannt, wurde seine einstige Herrlichkeit in den Flammen zermalmt und verzehrt, und es ist gewisslich bezeugt, daß man den Schein der Flammen noch im fernen Tokyo sehen konnte, wie daß auch der Ruß der zu einer gewaltigen Fackel angewachsenen Feuersbrunst, welche die Hauptstadt des Großreiches monatelang verzehrte, noch über der sich unendlich in allen Richtungen ausbreitenden Staubkruste jenes allerwüstest gewüsteten Teiles der Erde niederging, der einstmals vom brasilianischen Urwald bedeckt war.
Karstimir war nun Sohn eines Viehhändlers aus dem »Giftschaumviertel« der so geschundenen Stadt. Er wurde hundert Jahre nach dem Zeitpunkt geboren, zu dem der grauenerregende Großtyrann Gelasius, Gewaltherrscher im Zeichen des achtfaltigen und achtfachen Adlers, im Alter von 245 Jahren gestorben war (die Fortschritte in der Medizin hatten zu dieser in ferner Zukunft liegender Zeit bereits eine solche Beschleunigung erfahren, daß der übergangsweise die Herrschaftsgeschäfte führenden »Rat der 10.000« darin übereinkam, per Dekretierung einer 5-Jährige Staatstrauer in allen Winkeln des nun auch Burgund umfassenden polnisch-litauisch-preußischen Großreiches dem vergleichsweise frühen Tode des Herrschers Rechnung zu tragen. Denn man kann durchaus sagen: verglichen mit dem häufig von der - im Zeichen des achtfaltigen Adlers stehenden - Elite des Polnisch-Litauisch-Preußischen Großreiches durch die Segnungen der dieser uneingeschränkt zur Verfügung stehenden Wunder der modernen Medizin erreichten Alters, starb Gelasius der Fürchterliche und Furchtbare, der seinen Namen wie zum Spotte trug, der Bezwinger Burgunds, mit seinen fast 250 Jahren mitten in der Blüte seiner Jugend), und kannte so das einstmals das Erdenrund erleuchtende Saarbrücken, die einstmals größte Stadt der Welt nicht anders als in der Form, welche ihr seit dem burgundisch-polnischen Kriege eignete, nämlich als finstere, schmutzige Stadt, in der die meisten Häuser - welch ein Hohn, Hütten waren es in der Regel - von ihren Bewohnern notdürftig aus Wellblechen zusammengeschnürt wurden, einer Stadt, deren Dunkelheit allenfalls am Rande des Gewirrs aus brüchigen Behausungen im gleißenden Schein des Distriktgouverneurspalastes eines eher zweitrangigen Satrapen des Polnisch-Litauisch-Preußischen Großreiches erleuchtet wurde, und durch deren enge Gassen sich Abwasser, Müll und Dinge, von denen wir hier nicht reden wollen ergossen, so daß es letztlich ein Ort war, an dem ein dorthin verirrter Fremder (es geschah mehr als selten, daß sich ein Fremder nach Saarbrücken verirrte) dreier Hände bedurft hätte, um sich zugleich die Nase, um nicht am Gestank, die Ohren, um nicht am Gestöhn und Geschrei der Kranken und Sterbenden, und schließlich auch die Augen zuhalten zu können, um nicht an allem insgesamt irre zu werden. Doch, wie es nun einmal in der Natur der Dinge, oder vielmehr des Menschlichen zu liegen scheint, achtete der gute Karstimir, der nun an die vierzehn Jahre alt gewesen sein mußte - niemand wußte genaues, denn es wurden an diesem Orte keine Urkunden ausgestellt, welche es hätten bezeugen können - dies alles, diesen höllischen Pfuhl, in dem Krankheit und gemeiner Mord das Leben des einzelnen oft auf allzujähe, mindestens aber grauenhafte Weise beendeten, in der Einfalt seiner Jugend als gottgegeben und keiner weiteren Erwähnung oder gar Überlegung wert. So durchlebte er die Jahre seiner Jugend an der Seite seiner gebrechlichen Tante - sein Vater starb schon früh nach der Zeugung des Jungen am typhoiden Fieber, seine Mutter kehrte, als Karstimir schon um die neun Jahre alt war, eines Tages von einem Einkauf nicht zurück. Sie wäre auf ewig verschollen geblieben, wenn nicht ihr von Mörderhand entsetzlich zugerichteter Leichnam kurz nach ihrem Verschwinden mehr durch Zufall im Schilf der giftschäumenden Saar von einem Verwandten entdeckt worden wäre - und half dieser alten und lungenkranken Frau in ihrem Geschäft und Auskommen, dem Vermengen von Lehm und hartem Schilfgras am Ufer des stinkenden Flusses zu einer Art Brot, an das sich die Mägen der Einwohner des geschundenen Saarbrücken wie durch ein Wunder über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren gewöhnt hatten, und das die meisten von ihnen vor dem Hungertod bewahrte. Dieses trug sie für gewöhnlich aus an die Kranken und Gebrechlichen, die sich nicht mehr wie die Jungen und die Gesunden selbst nähren konnten, indem sie zu den erodierten Ufern hinabstiegen, um, Urtümlichen Wesen gleich, des Zieles ihrer Sättigung Willens im Schlamme zu wühlen. Das brachte über die oft undurchsichtigen Wege des Tausches manches ein, was sonst nur zu erlangen war, wenn man tatsächlich über Geldmittel verfügte. Und da in der geschundenen Stadt Saarbrücken, einst die Milliardenmetropole des neuen Burgundischen Reiches, so gut wie niemand über offizielle Geldmittel verfügte, behalf man sich auf diesem Wege, um in einer Art urzeitlichen Wirtschaftsweise - die fast ebenso urzeitlich anmutete wie die eben geschilderte Art der Ernährung - im Bedarfsfalle etwa eine große Scherbe eines Spiegels gegen drei rostige Scheren einzutauschen, die man wiederum für 10 große Wellbleche erhalten hatte. Karstimir wurde gleich nachdem seine Mutter gestorben war und er in die Obhut seiner Tante übersiedelte in diese Art Geschäft einbezogen, und war nun zu gleichen Teilen die Überwiegende Zeit entweder am Flusse anzutreffen, wo erBrot buk“, oder in den elendsten Gassen der Stadt, wo er den Siechen die Frucht seiner Arbeit gegen ein Stück Draht, ein wenig Wirkwerk, ein Seil oder manchmal gar gegen niemals an solchem Orte vermutetes Wertvolleres eintauschte, das aus glücklicheren Zeiten überkommend in der Not über mehrere Generationen gehütet wurde, und nun von einem Verzweifelten gegen einen Klumpen Lehm und Gras veräußert wurde, um den fürchterlichen Augenblick des Todes um ein paar Stunden aufzuschieben.

Karstimir, wir erwähnten es, hielt diese an sich missliche Lage, in er sich nach allem menschlichen Maßstab gemessen befand, für nicht der Erwähnung, nicht der Überlegung Wert, und so würde wohl auch die Eröffnung, daß er dereinst in seidenem Umhang in einem güldenen Wagen über die versilberten Marmoralleen von Rom - der Stadt, welche auch in dieser fernen Zukunft ihren heiligen Glanz noch nicht verloren hatte, eher im Gegenteil - fahren würde, ihn nicht einmal als zutiefst lächerlich angerührt haben. Nein, diese Vorstellung wäre ihm viel eher nach allen Fakultäten seines Verstandes und Bildes von der Welt eine vollkomm und prinzipiell Unverständliche gewesen. Doch daß es sich - unglaublicherweise - just so ereignen sollte, hatte folgenden, recht bestimmten und zwingenden Grund:

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