Auf einer unserer Klassenfahrten haben wir in einer Jugendherberge mit einer anderen Klasse Bekanntschaft geschlossen. Bei einem gemeinsamen Action-Nachmittag im nahen Strandbad sollten auch Schüler unserer Klassen im Ringkampf gegeneinander antreten. Wir wählten aus der gegnerischen Klasse zwei Kämpfer aus, und zwar ein Mädchen und einen Jungen. Ebenso wählten die anderen zwei von uns aus. Die ausgewählten Kämpfer und -innen suchten sich dann wiederum ihre Gegner aus der anderen Klasse aus. So sollten vier einigermaßen faire Kämpfe zustande kommen.
Zu meiner Überraschung wählte das gegnerische Mädel nicht ein Mädel von unseren aus sondern mich. Ich war ein schlanker und drahtiger Typ. Entweder mochte sie mich (was ich sehr hoffte) oder sie rechnete sich eine gute Chance gegen mich aus (was ich weniger hoffte). Sie war ebenfalls schlank und machte einen durchaus kräftigen und sportlichen Eindruck, sonst hätten wir sie kaum vorgeschlagen. Jedenfalls traute ich mir zu, mit ihr fertig zu werden. Männlein gegen Weiblein war natürlich die Attraktion des Nachmittags, und das hatte sie vielleicht auch beabsichtigt.
Wir traten also gegeneiander an und hatten von Anfang an einen riesigen Spaß dabei. Beide hatten wir die Absicht den Kampf in die Länge zu ziehen, um unseren intensiven Körperkontakt möglichst lange zu genießen. Es gab so eine Art Seelenverwandtschaft zwischen uns. Es lief, als ob wir eine Kampf-Choreografie abgesprochen hätten. Wenn sie mich in eine ziemlich aussichtslose Zwangslage gebracht hatten, ließ sie mir eine kleine Chance, mich zu befreien. Und umgekehrt.
Irgendwann kniete sie auf meiner Brust. In dieser recht instabilen Stellung hätte ich sie leicht abwerfen können, tat es aber nicht. Ihre kräftigen Muskeln hätten meine Arme neben meinem Kopf auf dem Boden regelrecht festnageln können. Stattdessen kämpften unsere Arme zum Vergnügen der Zuschauer bis fast zur Erschöpfung miteinander. Je länger dieser Armkampf dauerte, desto fester wurde mein Bestes Stück. Als sie das merkte, halfen ihre Zehenspitzen auch noch nach, so dass die Zuschauer es wirklich nicht mehr übersehen konnten.
Wir hatten nichts abgesprochen. Trotzdem wechselten unsere Rollen mehrmals einvernehmlich zwischen Sieg und Unterwerfung. Für die Zuschauer war es total spannend, weil wir einen wirklich verbissenen Kampf präsentierten. Und wir hatten unseren Spaß daran. Es war mir klar, dass sie mich zum Schluss gerade noch mit allerletzter Kraft besiegen musste. Bis es so weit war, sollte aber noch eine halbe Stunde vergehen.
Beifall pur! Meine Klassenkameraden erwarteten, dass ich diese knappe Niederlage keinesfalls auf sich beruhen lasse. Die anderen waren zwar stolz auf IHREN Sieg, würden aber trotzdem zu gerne mehr davon sehen. Also verabredeten wir uns zu meiner große Revanche am nächsten Tag.
Der Abend war herrlich. Obwohl ich hoffnungsloser Nichttänzer war, bin ich bei diesem Mädel schwach geworden. Es war Liebe auf den ersten Blick, die sich durch unsere Kämpfe intensiv gefestigt hat. Liebe versetzt Berge. Obwohl wir recht weit voneinander entfernt wohnten, haben wir uns fast jede Woche getroffen, bis wir endlich zusammen ziehen durften.
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